Nachgedacht: Bettag

Der Bettag ist ein staatlicher Feiertag, der nicht von der Kirche selbst, sondern durch einen Beschluss der eidgenössischen Tagsatzung im Jahre 1832 eingeführt worden ist. Damals ging es vor allem darum, den Frieden zwischen den Konfessionen zu pflegen. An sehr vielen Orten wird er ökumenisch an jedem 3. Sonntag im September gefeiert – ein gutes Zeichen für das viel bessere Verhältnis zwischen den Konfessionen! Der Bettag ist ein hoher Feiertag entsprechend Karfreitag, Ostersonntag oder Weihnachten und ist bei uns in der Schweiz ein staatlich angeordneter überkonfessioneller Feiertag, der von allen christlichen Kirchen und der Israelitischen Kultusgemeinde gefeiert wird.

Christliche Rituale werden heute jedoch immer weniger praktiziert oder gelten als Privatsache. Trotzdem hat sich der staatliche Bettag bis heute behaupten können und bringt die Schweiz jedes Jahr dazu, sich auf ihre christlichen Wurzeln zu besinnen. Dieser Tag soll uns Gelegenheit zur Ruhe, zum Nachdenken und zum Dank geben. Schon der Tag selbst lädt zu einem Dank ein: Es ist nicht selbstverständlich, dass der Staat zu diesem Zweck einen speziellen Feiertag eingerichtet hat. Offenbar ist es ihm wichtig, dass wir uns auf die Werte des Dankens, der Busse und des Gebets zurückbesinnen. Oder etwas anders ausgedrückt: Der Bettag fordert uns auf, füreinander und für die Schöpfung Verantwortung zu übernehmen.

Der Bettag erschöpft sich nicht in frommem Brauchtum. Er beansprucht Öffentlichkeitscharakter mit einer politischen Dimension. Angesichts des Diskurses um die Rolle von Kirchen und Religionen in der säkularen Gesellschaft erweist er sich als bleibend aktuell. Es macht auch heute noch Sinn, wenn das Land seine Bewohner und Bewohnerinnen einmal im Jahr auffordert, sich über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg auf gemeinsame Werte und Orientierungspunkte zu besinnen und zu verständigen. Letztlich sind es jedoch religiöse, soziale oder ökologisch motivierte Initiativen vor Ort, die den Bettag am Leben erhalten.

Doch was soll uns heute der Bettag bedeuten, in einer Zeit, die so völlig anders ist als die Gründungszeit vor über 190 Jahren? In einer Zeit, da so viele Menschen die Kirche „weiträumig“ umfahren und christliche Ideale als veraltet ansehen? Wie sollen wir da noch „eidgenössisch“ feiern? Ich denke, indem wir auch als kleiner gewordene Gemeinschaft die ursprünglichen Anliegen der Bibel und der Kirche hochhalten.

So wie wir das immer am Bettag tun – dieses Jahr am 20. September in den ökumenischen Gottesdiensten um 10 Uhr in der Reformierten Kirche Aarburg und um 11 Uhr bei der EMK Rothrist – herzlich willkommen!

Rita Wismann-Baratto, Pfarreiseelsorgerin

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