Nachgedacht: Fronleichnam

Nach alter Tradition wird an Fronleichnam in vielen Pfarreien der Leib Christi in Brotgestalt zum „Schaustück“. Er wird herausgenommen aus dem üblichen Zusammenhang, der Feier der Eucharistie und dem Empfang in der Kommunion, und in goldenen Monstranzen durch die Dörfer und Stadtteile getragen. Festliche Begleitung mit Musik gehört ebenso dazu, wie das Streuen von Blumen auf dem Weg.

Der Brauch vom Blumenstreuen geht auf das biblische Zitat „Bereitet den Weg des Herrn!“ zurück. Indem die Gläubigen (meist Kinder) Blütenblätter streuen, bereiten sie Gott einen würdigen, weichen Weg. Die Gläubigen tragen das Lob und den Dank für das Geschenk der Gegenwart Christi hinaus auf die Strassen, feiern den Leib Christi als Brot des Lebens – nicht nur ihres Lebens, sondern des Lebens der Welt.

Wir machen in unseren beiden Pfarreien keine Prozession, wir wandern aber im Gottesdienst in einem kurzen Moment der Stille in Gedanken durch die Strassen unseres Dorfes, an den Schulen, am Altersheim und dem Gemeindehaus vorbei und bringen die Kraft dieses Momentes dorthin.

Das Lied von Dalia Lavi «Willst du mit mir gehn?» hat mich für meine Gedanken inspiriert. „Willst du mit mir gehn?“, diese Frage stellen nicht nur Stars auf der Bühne. Sie entsteht auch dann, wenn es zwischen zwei Menschen „gefunkt“ hat, wenn sie sich verlieben und ohne den anderen nicht mehr sein möchten. „Willst du mit mir gehn?“ ist so gesehen eine Liebeserklärung, ein Bekenntnis zum anderen. Und die zustimmende Antwort ist ein „Ja, mit persönlichen Konsequenzen“.

„Willst du mit mir gehn?“, so fragt uns Jesus an Fronleichnam. Willst du dich mit mir in der Öffentlichkeit sehen lassen? Willst du zu erkennen geben, dass du zu mir stehst, dass du mein Schatz bist und ich der deine? Und bist du dir auch bewusst, dass es mich nicht „allein“ gibt, sondern meine „Familie“, die Gemeinde der Gläubigen gehören immer dazu. Willst du dich mit all denen zeigen, die auch zu mir gehören, mit Menschen, über die vielleicht der eine oder andere den Kopf schüttelt? Willst du das wirklich?

Ich jedenfalls, sagt Jesus, möchte, dass du mit mir gehst! Nicht, weil ich das brauche oder etwas davon hätte, sondern weil es dir und deiner Umgebung guttut.

Seither sind über 2000 Jahre vergangen, in denen unzählige Menschen ja gesagt haben zu der Frage von Jesus: „Willst du mit mir gehn?“ Und in all den Jahrhunderten haben Menschen erlebt, dass er mit uns geht und bei uns ist.

Jesus ist geduldiges Brot, nichts Spektakuläres. Seine Speisekarte ändert sich nie. Er hat nur Brot des Lebens. Aber das Brot ist immer da. Jesus bleibt sich und uns treu.

Unsere Alltagserfahrung zeigt uns: Je reicher die Liebe, umso schlichter ist oft das Zeichen. Ein altes Foto, eine vertrocknete Rose, ein angeschlagenes Porzellanpferdchen können uns die ganze Geschichte einer Liebe erzählen.

Doch die grösste Liebesgeschichte, die es je gegeben hat und die immer noch andauert erzählt uns ein einfaches Stücklein Brot.

Rita Wismann-Baratto, Pfarreiseelsorgerin